FRAUEN

    Frauenstunde

    Die Frauen treffen sich Montags von 16:30 Uhr bis 18:30 Uhr.
    Alle Frauen jeden Alters sind hier herzlich willkommen.
    Das wird bei den Frauen so gemacht:

    • Bibelarbeit
    • sing & pray
    • basteln
    • Feiern z.B. Geburtstage, Passah, Sommerfest, Advent usw.
    • außerdem gibt es regelmäßig Frauenfrühstücke (s.u.)
    Nähere Infos bei Gudrun Job (Tel.: 02306 / 53515) und Bärbel Nitschke (Tel.: 02306 / 3735485).

    Frauenfrühstück

    Am Samstag, 5. Februar 2011 um 9:30 Uhr fand wieder ein Frauenfrühstück in unserem Gemeindehaus statt!
    Als Referentin hatten wir Claudia Deppner aus Fulda eingeladen. Sie war das zweite Mal bei uns zu Gast. Das Thema dieses Morgens: „Zukunft säen – welche Werte bestimmen mein Leben?“
    Als kleinen Eindruck, was Sie auf einem Frauenfrühstück so erwarten kann, haben wir hier den Bericht vom Frauenfrühstück aus unserem
    Gemeindebrief:

    Übrigens: Das nächste Frauenfrühstück findet am Samstag 21. Januar 2012 um 9:30 Uhr statt. Als Referentin spricht Monika Bylitza aus Oer-Erkenschwick zum Thema "Jetzt reicht's. Freiraum für Veränderung"



    „Zukunft säen – welche Werte bestimmen mein Leben?“

    War es dieses interessante Thema, das so viele Menschen am Morgen des 5. Februars 2011 in die Gemeinde Offene Tür lockte oder wurden sie vielmehr von der Aussicht auf ein leckeres und reichhaltiges Frühstück angezogen, das sie in angenehmer Atmosphäre und netter Gesellschaft zu verspeisen hofften? Wer weiß schon, welche Werte für einen anderen Menschen wichtig sind und welche Beweggründe ihn antreiben. Oft kennen wir ja nicht einmal die eigene Seele und verstehen nicht, warum wir etwas tun, denken oder sagen, von dem wir (eigentlich) wissen, dass es nicht richtig ist.

    So gesehen, war dies ein wichtiges und spannendes Thema mit vielen Facetten.
    Claudia Deppner, Dipl. Sozialpädagogin aus Fulda mit einer theologischen Ausbildung brachte uns in ihrem Vortrag einige Aspekte davon näher.
    Zur Einführung nahm sie Beispiele aus dem alltäglichen Leben. So wissen wir alle, dass wir nicht lügen sollen. Eigentlich… mal abgesehen von den weit verbreiteten „Notlügen“, oder? Aus welcher „Not“ heraus entstehen sie eigentlich? Wie groß kann diese Not sein, dass uns „Wahrheit“ nicht mehr wichtig ist? Am meisten wird gelogen, um unangenehmen Dingen aus dem Weg zu gehen. Es werden Ausreden erfunden, um nicht die wahren Gründe für eine Entscheidung zu nennen, z.B. „Nein, ich kann nicht kommen / helfen, ich habe so viel zu tun!“ Statt ehrlich zu sagen „ich brauche einfach etwas Zeit zum ausruhen und entspannen.“ Oder „Nein, ich will das nicht, weil…“
    Stattdessen werden sogar noch andere Personen in die Lügen mit hinein gezogen, die am Telefon verleugnen sollen oder die „Geschichten“ bestätigen.
    Werte bestimmen unser Leben, unsere Kultur. Oft sind diese Werte eher unbewusst. (Anm.: Um bei dem eben genannten Beispiel zu bleiben: Wahrheit ist ein allseits anerkannter Wert in Deutschland. Jeder wird das bestätigen. Genauso (heimlich) anerkannt ist aber auch der verborgene oder unbewusste Wert: „Das gilt nur solange, bis eine Situation auftritt, in der es für mich besser oder angenehmer ist, zu lügen.“
    Nun, die Preisfrage: Welcher Wert ist der echte Wert und wird gelebt? Wofür bin ich bereit, meine eigentlichen Werte aufzugeben: Bequemlichkeit, Geld, Angst davor Freunde, Ansehen oder sonstiges zu verlieren?
    So könnte man sich selbst auf die Schliche kommen – wenn man will – und sich in verschiedenen Bereichen überprüfen, welchen inneren Werten man wirklich folgt)

    Jede Kultur und jede Zeit hat ihre eigenen Werte. Bei uns ist es in den letzten Jahrzehnten / Jahrhunderten zu einem Wertewandel gekommen, den Claudia Depper kurz skizzierte. 1830 vor der Industrialisierung bestand die Gesellschaft aus unterschiedlichen Schichten, die sich aus der Zugehörigkeit zu Berufen ergaben. Jede Untergruppe hatte eigene Werte, wodurch sie zusammengeschweißt wurde. Diese Wertvorstellungen prägten das Leben bis in alle Einzelheiten, wurden automatisch weitergegeben und durften nicht hinterfragt werden. Das gab Sicherheit, aber bedingte auch Enge und Ungerechtigkeit.
    Durch die Industrialisierung rückte die Kleinfamilie immer mehr in den Vordergrund und der übergeordnete Gruppenzusammenhalt verschwand. Das führte zur Verunsicherung und zu mehr Freiheit.
    Während der Weltkriege ging es um’s nackte Überleben. Dadurch rückten Werte wie Anpassung, Fleiß, Ordnung, Pflicht, Gehorsam in den Vordergrund.
    Nach dem wirtschaftlichen Aufschwung änderte sich dies. Wenn das Überleben gesichert ist, streben Menschen nach anderen Dingen wie Selbstverwirklichung und Besitz.
    Es kam zu Konflikten zwischen dem Streben nach Selbstverwirklichung und den alten Werten, zu denen auch Mitmenschlichkeitgehört.

    Unsere Werte prägen uns. Doch wer vermittelt sie heute? Die Erziehung wird immer weniger von den Eltern geprägt und zunehmend vom sozialen Umfeld der Institutionen, des sozialen Umfelds und der Medien.
    In totalitären Staaten ist man sich der Bedeutung der möglichst frühen Prägung von Kindern bewusst und versucht sehr früh in die Erziehung einzugreifen. Die Verantwortung wird den Eltern weggenommen.
    Heute ist es eher so, dass Eltern die Verantwortung abgeben und versuchen, sie den Institutionen in die Schuhe zu schieben. Selbst einfache Verhaltensregeln wie Tischmanieren müssen Kindern im Kindergarten beigebracht werden, weil sie es zu Hause nicht lernen.

    Gerade weil Prägung so einen entscheidenden Einfluss auf unser Leben und unsere Einstellung dazu hat, ist es notwendig zu prüfen, wie, von wem und in welche Richtung unsere Kinder, aber auch wir selbst geprägt werden.

    Die Medien haben hier einen großen Einfluss. In Filmen, Werbung, Computerspielen und den sozialen Netzwerken im Internet werden Werte vermittelt.
    Luxus wird uns als normal verkauft, wodurch unsere Ansprüche steigen und wir Mangel erleben, wenn uns etwas davon fehlt. Wir erwarten eine gute Ehe / Beziehung / Familie, Urlaub, Geld, ein gutes Auto, einen erfüllenden Beruf usw.
    Wir leben in einem reichen Land und haben dennoch ständig den Eindruck, dass uns etwas fehlt.
    Gleichzeitig gibt es auch bei uns echten Mangel. Vor allem die Kinderarmut steigt. Viele Kinder haben nicht genug zu essen. Die Anzahl der Menschen, die nicht nur keinen tollen Arbeitsplatz, sondern gar keinen haben, steigt.

    Die Werte, an denen sich unsere Gesellschaft misst, sind vorwiegend materielle Dinge und alles was damit zusammen hängt, wie Leistungsfähigkeit, Erfolg, Ansehen, Macht.
    Dadurch werden Menschen, die nicht am Wohlstand teilhaben doppelt bestraft. Sie haben nicht nur weniger als andere, sie zählen auch weniger.
    Damit kommen wir zu einem weiteren Wertewandel. Die Rolle des Menschen hat sich verändert. Der Wert eines Menschen wird nicht mehr durch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe bestimmt und schon gar nicht aus der liebevollen Schöpfung Gottes abgeleitet. Menschen werden danach bewertet, ob sie erfolgreich und funktionsfähig sind.

    Claudia Deppner gab aber auch positive Beispiele. So hat Altbundeskanzler Schmidt eine allgemeine Erklärung der Menschenpflichten aufgestellt in Ergänzung zu den Menschenrechten. Eine Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn die Bürger nicht nur ihre Rechte kennen, sondern auch bereit sind, Pflichten zu übernehmen. Ansonsten verfällt sie dem Chaos.

    Die Referentin animierte uns mit einigen Fragen zum Nachdenken und zu Tischgesprächen: Was ist mir wichtig? Was macht ein Wert mit mir und wie fühle ich mich dabei? Welche Werte gefallen mir und welche engen mich ein?

    Als Beispiel nannte sie Pünktlichkeit. Ein Wert, der früher eine herausragende Bedeutung hatte. Er kann als positiv erlebt werden oder als sehr einengend, z.B. wenn man in der Kindheit für kleinste Verspätungen hart bestraft wurde.
    Zur Erinnerung daran, dass Werte von Generation zu Generation weitergegeben werden, sollten wir in vorbereitete Faltkarten, die mit einer „Babuschka“ verziert waren, unsere Gedanken schreiben, welche Werte wir von unseren Eltern mitbekommen haben und welche wir an die nächste Generation weiter geben wollen.
    Dann fragte uns Claudia, was Werte mit Gott zu tun haben.
    Sie glaubt fest daran, dass wir von Gott geschaffen wurden. Er hat jeden von uns gewollt und wunderbar gemacht (und welches Wunderwerk der Schöpfung allein unser Körper ist, erkennt jeder, der sich ein bisschen damit beschäftigt ?) Wir können das nicht immer glauben, aber in Gottes Augen sind wir wertvoll. Er gibt uns Würde. Niemand darf uns antasten! Es geschieht dennoch, ist aber nicht richtig.
    Aus dieser Sicht müssen Fragen neu gestellt werden, z.B. die Frage, wer das Recht hat, über Anfang oder Ende eine s Lebens zu entscheiden (Suizid, Abtreibung, Sterbehilfe)
    Gerade in diesem Bereich wird Gott oft ausgeklammert und seine Sicht vernachlässigt.
    Das hat Folgen. Viele Frauen, die ein Kind abgetrieben haben trauern jahrelang. Viele bereuen, dass sie nur eine kurzfristige Lösung haben wollten und die langfristigen Folgen nicht bedachten. Niemand weist sie in den Beratungen vorher darauf hin.
    Gott liebt Menschen, die et-was falsch gemacht haben. Heilung ist möglich, wenn um Vergebung gebeten wird.

    Gott hat uns Entscheidungsfreiheit geschenkt. Wir können uns an seine Gebote halten, die Ausdruck seiner Wertvorstellungen sind oder wir gehen andere Wege. Bei-des hat Konsequenzen.
    Er hat uns die Verantwortung für diese Erde gegeben. Freiheit und Verantwortung gehören zusammen. Das bedeutet, Freiheit nicht auf Kosten anderer zu leben.
    In der Bibel steht „Alles ist erlaubt, aber nicht alles ist nützlich.“

    Gott hat die Naturgesetze geschaffen, damit Leben auf unserem Planeten möglich ist. Genauso hat er Regeln für das Zusammenleben von Menschen erdacht und diese u.a. in die 10 Gebote gepackt.
    Im neuen Testament wird dies erweitert mit vielen Vorschlägen und Anweisungen, die z.B. in dem Satz münden: „Geht so mit den Menschen um, wie ihr selbst behandelt werden möchtet.“
    Wenn wir uns nicht an die Gebote Gottes halten, können Beziehungen nicht funktionieren. Werden z.B. Notlügen benutzt, sät das Misstrauen und zerstört das Beziehungen, genauso wie Untreue, Ungerechtigkeit, Neid, Hartherzigkeit, Gleichgültigkeit usw.
    Jeder prüfe sich selbst. Wo kann und will ich mich verändern. Dafür hat Gott immer ein offenes Ohr. Er versagt nie und lässt uns nicht fallen. Er wird uns nie so enttäuschen, wie das Menschen tun.
    Wenn wir seine Liebe und seine Achtung vor uns wahrnehmen und annehmen, steigt unser Selbstwertgefühl und wir können anderen mehr weitergeben.
    Menschen sind so angelegt, dass sie wahrgenommen werden wollen. Die verzweifelten Amokläufer waren sämtlich einsame, stille, ungesehene Menschen.
    Wir wollen für jemanden wichtig sein, brauchen Menschen, bei denen wir keine Masken tragen müssen und so geliebt werden, wie wir sind. Gott kann uns das geben. Er kennt uns sehr genau und liebt uns dennoch. Zu ihm dürfen wir kommen mit allem, was uns bewegt, mit unseren Gefühlen (Depressionen, Leere, Schuld, Angst, Freude) und ihm alles bringen, unser Verletzungen und das Versagen. Er fühlt mit uns mit und steht uns zur Seite.
    Der Tod Jesu hat den Weg dazu frei gemacht – so wichtig war das für Gott.
    Er will zu uns eine Beziehung in Freiheit und Verantwortung.

    So kann uns Claudia keinen allgemeingültigen Wertekatalog geben. Auf der Grundlage des Wortes Gottes muss jeder für sich herausfinden, welche Werte er für wichtig hält und an welchen er für sich arbeiten will. Dabei sollte man bei sich selbst anfangen und nicht auf andere schauen.

    Puh, ein umfassendes Thema, das sich Claudia Deppner ausgesucht hatte. Wie viel sie davon in ihren Vortrags hineingepackt hatte, fiel mir erst beim Zusammenfassen richtig auf.

    Eure Ulla